Ratzfatz durch die Mauer

Die Geschichte der Mauer beginnt mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Deutschland wird von den vier Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion in Zonen aufgeteilt. Auch Berlin wird in vier Sektoren aufgeteilt. Vier Jahre später, am 23. Mai 1949 wird die Bundesrepublik Deutschland aus den drei westlichen Besatzungszonen der USA, Großbritanniens und Frankreichs gegründet. Sie entsteht als souveräner Staat aus dem Parlamentarischen Rat unter Aufsicht dieser Westmächte. In der östlichen Zone, die von der Sowjetunion verwaltet wird, wird am 7. Oktober 1949 die DDR gegründet, die Deutsche Demokratische Republik. Berlin wird in Ost-Berlin und West-Berlin geteilt.

Berlin - Pressekonferenz Ulricht - Bundesarchiv, Bild 183-83911-0002 / CC-BY-SA 3.0

Im Ostblock wird ein kommunistischer Staat nach sowjetischem Vorbild gebildet. Der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht erlässt eine Reihe von Maßnahmen zum „Aufbau des Sozialismus“.  In der Folge verschlechtert sich der Lebensstandard der Bevölkerung rasant, es kommt zu einer Versorgungskrise, dann zum Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953, der brutal niedergeschlagen wird.

Zwischen 1945 und 1961 verlassen dreieinhalb Millionen Menschen die sowjetische Besatzungszone und die spätere DDR, denn diese erweist sich als Unrechtsstaat. Als die Massenflucht anhält, lässt Ulbricht die Grenze zur BRD abriegeln. Nur in Berlin gibt es noch ein „Schlupfloch“, durch das nun fast alle in den Westen flüchten. Ulbricht will auch diese letzte Grenzöffnung schließen, doch dazu braucht er die Unterstützung der sowjetischen Besatzungsmacht.

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Berlin wird zum Zankapfel der Großmächte. Nikita Chruschtschow stellt 1958 an die Westmächte das berühmte Berlin-Ultimatum: Er fordert, dass Berlin zur freien Stadt erklärt und entmilitarisiert wird. Die Westmächte blocken ab. Der U.S. Präsident John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow treffen sich Anfang Juni in Wien und handeln einen Kompromiß aus: Auch die Stadt Berlin, eine Insel im Ostblock, soll durch eine Mauer in eine Ost- und eine Westhälfte getrennt werden. Kennedy meint, dass eine Mauer keine gute Lösung sei, aber sie wäre besser als ein Krieg.

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Gepanzerter Wasserwerfer G5 SK-2 (Sonderkraftfahrzeug 2) im August 1961 am Brandenburger Tor - Bundesarchiv, Bild 173-1282 / Helmut J. Wolf / CC-BY-SA 3.0

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten,“ verkündet Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz in Berlin. Doch auf seine Weisung hin hat Erich Honecker, Stabschef der Aktion, bereits alles für den Mauerbau vorbereitet. In der Nacht des 13. August 1961 werden in aller Heimlichkeit tausende Tonnen von Stacheldraht und Betonpfosten an die Grenze transportiert und Grenzzäune durch die Stadt gezogen. Alle Sektorenübergänge werden abgeriegelt, der Durchgangsverkehr der S- und U-Bahnlinien wird unterbrochen und dreizehn U-und S-Bahnhöfe werden für die Ost-Berliner geschlossen. Im Morgengrauen ist die DDR abgeriegelt und ganz Westberlin ist von einer Mauer umgeben.

Die West-Berliner können nur mehr über Transitstrecken, mit der Bahn oder dem Flieger die Stadt verlassen. Die Ost-Berliner können nicht mehr in den Westen der Stadt zu ihren Freunden und Familien oder zu ihrem Arbeitsplatz.

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Brandenburger Tor, vom Westen aus gesehen - commons.wikimedia.org/w/index.php?

In den 28 Jahren, 2 Monaten und 27 Tagen ihres Bestehens wandelt sich die Mauer ständig. Im Juni 1962 wird eine zweite Mauer errichtet, die sogenannte „Hinterlandmauer“. Dazwischen wird ein „Todesstreifen“ angelegt mit Wachtürmen und Scheinwerfern.

1963 wird die Hohlblock-Steinmauer durch eine Betonmauer ersetzt. Ab 1965 kommen Bunker hinzu.

1974 entsteht die 3. Generation der Mauer. Sie besteht aus Stahlbetonplatten mit einer Höhe von 3,60 Meter und einer Breite von 1,20 Meter. Der 100 Meter breite Todesstreifen wird mit elf Hinderniszonen erweitert. Dazu gehören: Alarmgitter, Stolperdrähte, die Leuchtkugeln auslösen, einbetonierte Stahlspitzen, Hundelaufanlagen, Panzergräben, Kfz-Fallen sowie Asphaltstraßen für Patrouillenfahrzeuge. Die Berliner Kanalisation ist mit Sperrgittern durchzogen. In die Grenzgewässer sind stählerne Unterwassermatten mit Nägeln und Sperrbojen eingelassen.

Aufnahme September 1961 (Quelle: Bundesarchiv)

Die Berliner Mauer wird zur bestbewachten Grenze der Welt. Dennoch versuchen viele mit dem Mut der Verzweiflung die DDR zu verlassen. Einige haben Fluchthelfer im Westen, einige unternehmen auf eigene Faust riskante Fluchtversuche. Sie graben Tunnel, bauen Flieger und Heißluftballons, konstruieren Unterwasser-Boote und Zughilfen. Über 5 000 Menschen gelingt so die Flucht in den Westen. 142 Menschen verlieren auf der Flucht ihr Leben. Etwa 75 000 DDR-Bürger werden gefasst und wegen „Republikflucht“ vor Gericht gestellt.

Von Lear 21 CC BY-SA 3.0 commons.wikimedia

Mehr als ein Vierteljahrhundert sind die Menschen im Osten durch die Mauer vom Westen getrennt. Die meisten finden sich nicht damit ab. Eines Tages beginnen sie einen friedlichen Marsch in Richtung Mauer. Es ist an einem Montag im Sommer 1989. Am nächsten Montag kommen sie wieder und auch an allen folgenden Montagen. Es werden immer mehr, am Ende sind Hunderttausende auf den Beinen. Die Machthaber sehen fassungslos zu, doch sie können nichts dagegen unternehmen. Sie finden einfach kein Mittel gegen den friedlichen Protest. So kommt es, dass am 9. November 1989 die Mauer fällt, ganz ohne Gewalt und Blutvergießen. Die alten Machthaber verschwinden, und die Familien und Freunde in Ost und West finden wieder zusammen.

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