Warum wurde die Mauer gebaut?

Warum wurde mitten durch Berlin und rund um West-Berlin die Mauer gebaut? Die Geschichte der Mauer begann mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945.

Berlin nach dem Krieg

Vielleicht wisst ihr, dass Deutschland damals von den vier Siegermächten in Zonen aufgeteilt wurde. Die Siegermächte waren die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion. Auch Berlin wurde in vier Sektoren aufgeteilt. Vier Jahre später wurden die westlichen Zonen zusammengelegt und die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Die östliche Zone wurde von der Sowjetunion verwaltet, aus diesem Teil entstand die DDR, die Deutsche Demokratische Republik. Die Grenze zur BRD wurde verstärkt abgeriegelt. Berlin wurde in Ost-Berlin und West-Berlin geteilt. Die Menschen im Westen begannen das vom Krieg zerstörte Land aufzubauen. Hier herrschte eine freiheitliche Wirtschaftsordnung.

Die Ostmächte planen eine Mauer

Im Ostblock verlief die Geschichte nicht so gut. Die Menschen waren unzufrieden mit ihrer Regierung. Denn die Politiker waren autoritär, allen voran der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht. Die Bevölkerung fühlte sich bevormundet. Vielen ging es im Osten wirtschaftlich schlecht. Die beruflichen Aussichten waren für die meisten nicht gut. Deshalb verließen fast zweieinhalb Millionen das Land. Walter Ulbricht beschloss, den Flüchtlingsstrom zu stoppen. Warum? Wären noch mehr Menschen geflohen, wäre das DDR Regime irgendwann zusammengebrochen. Das wollte Ulbricht verhindern. Er gilt als „Vater“ der Mauer. Unter dem Codenamen „Chinesische Mauer“ plante er, eine Mauer um ganz West-Berlin zu bauen. Er brauchte jedoch die Zustimmung der Sowjetmächte. Nikita Chruschtschow, damals Regierungschef der Sowjetunion, stimmte Ulbrichts Plan zu. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten,“ verkündete Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz in Berlin. Doch 2 Monate später, am 13. August 1961, begann der Mauerbau.

Was haben die Westmächte getan?

Ein dritter Mann spielte eine wichtige Rolle: John F. Kennedy, der damalige Präsident der Vereinigten Staaten. Kennedy wusste, dass Chruschtschow die DDR im Ostblock halten wollte. Die Lage spitzte sich zu. Kennedy und Chruschtschow trafen sich und redeten über den Konflikt. Danach meinte Kennedy, dass eine Mauer keine gute Lösung wäre. Aber sie wäre besser als ein neuerlicher Krieg. Deshalb ließ er den Sowjets freie Hand. Der damalige Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt erfuhr von den Plänen. Er hoffte, dass die Westmächte etwas gegen den Mauerbau unternehmen. Doch nichts geschah. Er war enttäuscht.

Der Mauerbau

In der Nacht des 13. August 1961 war es soweit. Es war die Nacht von Samstag auf Sonntag. ein Wochenende. Viele Berliner hatten das Wochenende genutzt, um einen Ausflug zu machen. In aller Heimlichkeiten wurden über Nacht tausende Tonnen von Stacheldraht aus Rumänien und anderen östlichen Ländern herangeschafft. Hunderte Lastwagen transportierten Tonnen von Betonpfosten an die Grenze. Soldaten und Arbeiter aus dem Osten begannen im Eiltempo, mitten durch Berlin eine Mauer zu bauen und ganz Westberlin einzuschließen. Im Morgengrauen war die meiste Arbeit bereits getan. Die Grenze um Westberlin war geschlossen.

 

 

Berliner Mauer 1961 - 1989 (c) Franz StuermerAls die West-Berliner am Morgen wie üblich den Tag begannen, sahen sie sich von  Mauern umgeben. Fassungslos stellten sie fest, dass sie überall auf Mauern stießen. Nur mehr über Transitstecken, mit der Bahn oder dem Flieger konnten sie die Stadt verlassen. Auch die Bewohner von Ost-Berlin waren erschüttert. Denn sie konnten plötzlich nicht mehr in den Westen der Stadt zu ihren Freunden und Familien. Manche sprangen über den Stacheldrahtzaun, manche stürzen sich aus den Fenstern der Häuser an der Grenze. Doch bald schon wurden die Fenster zugemauert und die Häuser abgerissen. Auf dem Berliner Stadtplan links erkennst du an der schwarzen Umrandung um das blaue Feld den Verlauf der Mauer.

 

An der Berliner Mauer beginnt der Kalte Krieg

Zuerst bestand die Mauer nur aus Stacheldraht und Pfosten, dann wurde sie mit Stein- und Betonmauern verstärkt. Dazwischen gab es streng überwachte Grenzposten, an denen die Menschen genau kontrolliert wurden. Einer dieser Posten war der Checkpoint Charlie. Hier sollten amerikanische Militärs und Botschaftsangehörige ohne Kontrolle durchkommen. Das konnte nicht lange gut gehen. Zwei Monate nach Mauerbau forderten DDR Grenzer von einem amerikanischen Militär, sich auszuweisen. Die Westmächte ließen sich das nicht gefallen. Sie reagierten prompt. Am 27. Oktober 1961 fuhren amerikanische Panzer auf westlicher Seite auf. Gleich darauf rollten auf der Ostseite sowjetische Panzer Richtung Checkpoint Charlie. Sie standen sich schussbereit gegenüber. Hätte eine Seite die Nerven verloren, wäre es hier zum Kampf gekommen. 12 Stunden dauerte die Konfrontation der beiden Weltmächte, dann zogen sich die Panzer und Soldaten zurück. Es wurde nicht geschossen, trotzdem begann ein Krieg. Man nannte ihn den „Kalten Krieg“. Denn es wurde nicht mit Waffen gekämpft, sondern mit Parolen und Provokationen.

Die Mauer wird zu einem unüberwindlichen Bollwerk

Im Juni 1962 wurde eine zweite Mauer errichtet, um die Flucht in den Westen zu erschweren. Sie wurde „Hinterlandmauer“ genannt. Dazwischen wurde ein „Todesstreifen“ mit Wachtürmen und Scheinwerfern geschaffen. Der Todesstreifen war gesichert durch Signalanlagen am Boden, die bei Berührung Alarm auslösten, durch Wassergräben und Sicherheitsschleusen. Auf gut 43 Kilometern verlief die Mauer mitten durch die Stadt.

 

Die Mauer hält Flüchtlinge nicht auf

Die Berliner Mauer war die bestbewachte Grenze der Welt. Dennoch gab es viele, die mit dem Mut der Verzweiflung die DDR verlassen wollten. Über 5 000 Menschen gelang die Flucht durch und über die Berliner Mauer. Die meisten hatten Helfer, das waren oft Verwandte und Freunde oder Fluchthelfer. 142 Menschen haben auf der Flucht durch die Berliner Mauer ihr Leben verloren. Etwa 75 000 DDR-Bürger wurden gefasst und wegen „Republikflucht“ vor Gericht gestellt. Die Regierung der BRD kaufte Menschen frei, die auf der Flucht geschnappt wurden oder die wegen ihrer Kritik am Regime hinter Gittern saßen.

Der Mauerfall

Mehr als ein Vierteljahrhundert waren die Menschen im Osten und Westen durch die Mauer getrennt. Die Bewohner im Osten wurden immer trauriger. Eines Tages begannen sie einen friedlichen Marsch in Richtung Mauer. Es war an einem Montag im Sommer 1989. Am nächsten Montag kamen sie wieder und auch an allen folgenden Montagen. Es wurden immer mehr, am Ende waren Hunderttausende auf den Beinen. Die Machthaber sahen fassungslos zu, doch sie konnten nichts dagegen unternehmen. Sie fanden einfach kein Mittel gegen den friedlichen Protest. So kam es, dass am 9. November 1989 die Mauer fiel, ganz ohne Gewalt und Blutvergießen. Die alten Machthaber verschwanden, und die Familien und Freunde in Ost und West fanden wieder zusammen.

Seitdem ist der 9. November fest mit der Deutschen Einheit verknüpft. Er erinnert uns an den erfolgreichen friedlichen Widerstand der Bürger und ihren Mut, gegen das Unrecht aufzustehen.

 

Die Berliner Mauer in Bildern, Animationen und Zahlen

 

Was nach dem Mauerfall geschah

 

Die Mauer geht auf Reisen