Wie Ikarus in die Freiheit fliegen

Menschen bauten in ihren Wohnzimmern und Garagen Flugzeuge, Drachenflieger und Heißluftballons. Denn auf normalem Weg kommt ab den siebziger Jahren keiner mehr durch die Mauer oder die Checkpoints.

Die Flucht mit dem Flieger

Gerhard Wagner ist Flugzeugbauer. Doch in der DDR werden keine Verkehrsmaschinen mehr gebaut. Gerhard Wagner ist auch leidenschaftlicher Sportflieger. Doch wegen der Fluchtgefahr werden mehr und mehr Sportflugplätze geschlossen. Nur wenn man sich für eine Laufbahn beim Militär entschließt, darf man noch ein Sportflugzeug besteigen. Gerhard Wagner will nicht zum Militär. Er will auch nicht in einem Land bleiben, in dem eine kommunistische Diktatur herrscht. Er hat eine Frau und drei Kinder. Er beschliesst mit seiner Frau einen riskanten Fluchtplan. Er will ein Flugzeug bauen, mit dem sie in den Westen fliegen können. In den siebziger Jahren entwirft er im heimischen Wohnzimmer eine zweimotorige Maschine. Er beschafft sich die Einzelteile, selbst seine Schwiegermutter hilft bei der Beschaffung mit. In der Küche montiert er zusammen mit seinen älteren Söhnen den Flieger zusammen. Er ist flugfähig. Doch kurz vor dem Fluchttermin wird er von einem Verwandten verraten. Gerhard Wagner und seine Familie werden voneinander getrennt und kommen in verschiedene Gefängnisse. Zum Glück dauert die Gefangenschaft nur ein Jahr. Eltern und Kinder werden von der westdeutschen Regierung freigekauft. Sie beginnen im Westen ein neues Leben.

Woher einen Heißluftballon nehmen, wenn nicht selber bauen…

Die Familien Strelzyk und Wetzel aus Pößneck überflogen mit einem selbst gebauten Heißluftballon am 16. September 1979 die Mauer. In monatelanger Arbeit beschafften sie die nötige Stoffmenge und nähten daraus einen Ballon. Der erste Ballon bestand aus einem Stoff, der sich für den Flug nicht eignete. Der zweite Stoff, ein Taftstoff, eignette sich weit besser, doch die Gondel war zu klein konstruiert. Nicht alle paßten hinein. Die Familie Strelzyk flog alleine los, doch sie erreichten nicht die Grenze. Der Ballon mußte notlanden, und unverrichteter Dinge kehrte die Familie in ihr Heim im Osten zurück. Den Ballon mußte sie zurücklassen. Die beiden Familien begannen von vorne. Sie fertigten einen neuen Ballon und eine neue Gondel. Sie verbesserten auch den Brenner. Vom gleichen Ort starteten sie erneut, mit beiden Familien an Bord. Sie flogen 18 Kilometer weit, der Flug dauerte 28 Minuten. Dann landeten sie in freiem Gelände. Hatten sie die Grenze wirklich überwunden? Die Frauen und Kinder hielten sich versteckt, während die beiden Familienväter erkundeten, wo sie sich befanden. In der Nähe von Naila lief ihnen eine bayerische Polizeistreifen über den Weg. Sie hatten es geschafft! Sie waren glücklich im Westen gelandet.